{"id":466,"date":"2017-11-02T09:13:24","date_gmt":"2017-11-02T09:13:24","guid":{"rendered":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/?p=466"},"modified":"2017-11-02T09:21:41","modified_gmt":"2017-11-02T09:21:41","slug":"heute-mach-ich-mir-eine-freude-und-besuche-mich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/?p=466","title":{"rendered":"&#8222;Heute mach ich mir eine Freude &#8211; und besuche mich selbst.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Hoffentlich bin ich Daheim&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Dieser feinsinnige Ausspruch stammt nicht von einem selbstverwirklichten Yogi,<br \/>\nsondern von dem gro\u00dfen M\u00fcnchner Kabarettisten, Komiker und Schauspieler Karl<br \/>\nValentin. In seinem klugen Gedanken liegt eine tiefe Weisheit, die uns mit der Frage<br \/>\nkonfrontiert, ob ich \u00fcberhaupt Freude empfinde, wenn ich mich selbst, mein wahres<br \/>\ninneres Wesen besuche und welche Art von Freude das wohl sein k\u00f6nnte?<br \/>\nIch besuche mich gern, wenn ich wei\u00df, dass mich in meinem inneren Zuhause Ruhe,<br \/>\nSicherheit, W\u00e4rme, Herzlichkeit und Freude erwarten. Wenn ich an meiner<br \/>\nEingangst\u00fcr klingele \u2013 die \u00fcbrigens nur von Innen ge\u00f6ffnet werden kann \u2013 dann<br \/>\nhoffe ich, dass ich Daheim bin und mich \u00fcber diesen Besuch freue. Denn dann kann<br \/>\nich mit frohem Herzen die T\u00fcr zu mir \u00f6ffnen. Das setzt aber voraus, dass ich mich<br \/>\nmit mir eingehend besch\u00e4ftige, im Einklang mit mir bin, meine St\u00e4rken und<br \/>\nSchw\u00e4chen kenne und mich grunds\u00e4tzlich wohlf\u00fchle in dem Leben, dass ich mir mit<br \/>\nmeinen M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten gestaltet habe.<br \/>\nDiese tiefe Sehnsucht, bei sich anzukommen, Ruhe zu finden, sich geborgen f\u00fchlen,<br \/>\neinfach zufrieden sein, kennen wir wahrscheinlich Alle. Und unser Bed\u00fcrfnis danach<br \/>\nsteigt, je hektischer und unruhiger die Welt um uns wird und je mehr Leistung,<br \/>\nEngagement und Konzentration von uns gefordert werden.<br \/>\nEs gibt aber auch Menschen, denen der Gedanke Angst macht, sich zu besuchen,<br \/>\nZeit mit sich zu verbringen und dabei ganz allein mit sich zu sein. Lieber besch\u00e4ftigen<br \/>\nSie sich mit zeitraubenden T\u00e4tigkeiten und oberfl\u00e4chlichen Beziehungen, st\u00fcrzen<br \/>\nsich in riskante Freizeitaktivit\u00e4ten oder geben sich den heute unbegrenzten<br \/>\nM\u00f6glichkeiten und Ablenkungen hin, die die moderne Medien- und Erlebniswelt<br \/>\nbietet. Smartphone und Internet sind die verehrten und begehrten \u201eG\u00f6tzen\u201c unserer<br \/>\nZeit und die Befriedigung, die sie daraus erlangen, ist nicht nur kurzlebig und<br \/>\nbegrenzt, sondern kann auch in gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeiten f\u00fchren.<br \/>\nEs ist ja auch viel einfacher, sich in einem immer wieder neuen, faszinierenden<br \/>\nKommunikationsstrudel treiben und mitrei\u00dfen zu lassen, als sich um das eigene<br \/>\nwahre Wesen zu k\u00fcmmern. Da Manche sich weit von ihrem Selbst entfernt haben, ist<br \/>\nder Weg zur\u00fcck beschwerlich und wer wei\u00df, was mich da erwartet.<br \/>\nWen oder was werde ich wohl antreffen, falls ich mich doch mal dazu entschlie\u00dfe,<br \/>\nmich zu besuchen? Wenn ich bef\u00fcrchte oder glaube, dass mich in meinem Kern<br \/>\nnichts Freudiges oder Freundliches erwartet, habe ich auch keine Lust auf einen<br \/>\nBesuch.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass viele Menschen denken, dass sie Freude nur im \u00c4u\u00dferen, in der<br \/>\nBesch\u00e4ftigung und Handlung finden k\u00f6nnen ist ein Hinweis darauf, dass sie<br \/>\nentweder nicht wissen, welche Freuden in ihnen wohnen, dass sie den Weg dahin<br \/>\nnicht kennen, oder dass sie einfach Angst davor haben, statt Freude etwas<br \/>\nUnangenehmes, Entt\u00e4uschendes zu entdecken.<br \/>\nIst das nicht verr\u00fcckt, dass wir ein Leben lang eng mit uns zusammen sind und uns<br \/>\ndabei vielleicht nie richtig kennenlernen? Und falls das vielen Menschen so gehen<br \/>\nsollte, k\u00f6nnte das ein Grund daf\u00fcr sein, dass wir uns oft unzufrieden, nicht<br \/>\nausgeglichen, belastet und gestresst f\u00fchlen?<br \/>\nAn manchen Tagen bin ich tats\u00e4chlich nicht bei mir Daheim, m\u00f6chte mich nicht<br \/>\nbesuchen und meine T\u00fcr \u00f6ffnen, weil mein inneres Heim nicht aufger\u00e4umt und<br \/>\ngereinigt ist. Weil ich mir nicht die Zeit genommen habe, es freundlich, gem\u00fctlich und<br \/>\neinladend zu gestalten. Manchmal vernachl\u00e4ssigen wir uns und weil wir dann keine<br \/>\nsch\u00f6ne, innere Heimat in uns versp\u00fcren, haben wir wenig oder keine Lust auf einen<br \/>\nBesuch.<br \/>\nIn der indischen Philosophie der drei Gunas, den Eigenschaften der Natur, bedeutet<br \/>\ndiese Wahrnehmung, dass ich mich in \u201eTamas\u201c, einem trostlosen, tr\u00e4gen,<br \/>\ndeprimierenden Zustand befinde, wo alles beschwerlich und freudlos ist und der<br \/>\nAlltag als Last empfunden wird. Oder dass ich in \u201eRajas\u201c bin, einer unruhigen,<br \/>\ngetriebenen, leidvollen Befindlichkeit, wo meine Lebensfreude kaum noch sp\u00fcrbar<br \/>\nist. Meistens sind diese beiden Gef\u00fchlzust\u00e4nde miteinander vermischt.<br \/>\nDie Wahrheit ist aber, dass jeder Mensch eine Urfreude, ein Urvertrauen, einen<br \/>\nheiligen, gesch\u00fctzten Wesensraum in sich tr\u00e4gt, wo seine Lebensfreude, seine<br \/>\ngenuine Energie zuhause ist. Wenn wir in diesem K\u00f6rper auf die Welt kommen und<br \/>\nmit dem ersten Atemzug und Schrei unser irdisches Dasein beginnen, dann befinden<br \/>\nwir uns in einem freudvollen, unbelasteten, g\u00f6ttlichen Zustand, den die Inder \u201eSattva\u201c<br \/>\nnennen. Sattva bedeutet Reinheit, Licht, Gleichgewicht, Harmonie. Leider bleibt uns<br \/>\ndieser reine, sattvige Zustand nicht lange erhalten. Wir m\u00fcssen uns in den folgenden<br \/>\nLebensphasen immer in einer Mischung aus Tamas, Rajas und Sattva zu Recht<br \/>\nfinden.<br \/>\nGleichwohl tragen wir das Potenzial und die F\u00e4higkeit in uns, auf die Gewichtung<br \/>\nunserer Gef\u00fchlzust\u00e4nde Einfluss zu nehmen, indem wir die Identifikation mit diesen<br \/>\nZust\u00e4nden \u00fcberpr\u00fcfen, unsere \u00fcbliche Ich-Bezogenheit zur\u00fcckstellen und versuchen,<br \/>\ndie Position eines neutralen Betrachters und Beobachters einzunehmen. So haben<br \/>\nwir die Chance uns zu ver\u00e4ndern und aus Tamas und Rajas in Sattva zu kommen.<br \/>\nDer Weg dahin kann beschritten werden, wenn wir uns Zeit f\u00fcr uns nehmen und uns<br \/>\naus der Gebundenheit an \u00e4u\u00dfere Bedingungen und aus den \u00fcblichen<br \/>\nGewohnheitsmustern l\u00f6sen. Mit der Konzentration auf die Atmung und der Hingabe<br \/>\nan eine Meditation kann ich den Zugang zu meinem inneren Wohlf\u00fchlraum finden.<\/p>\n<p>Wichtig ist dabei, dass ich erwartungslos und anspruchslos mit der Meditation<br \/>\nbeginne; d.h. ich lasse geschehen, was geschieht, ich beobachte, was ist, ich<br \/>\nverfolge mit der Meditation kein bestimmtes Ziel. Meine Aktivit\u00e4t besteht einzig und<br \/>\nallein im Zuschauen dessen, was der Geist in diesem Moment macht. Und er wird<br \/>\ngerade am Anfang einer Meditation besonders rege sein und versuchen, mich vom<br \/>\nHier und Jetzt abzulenken. Doch durch regelm\u00e4\u00dfige Praxis in Stille und<br \/>\nKonzentration auf die Atmung und meine K\u00f6rperreaktionen komme ich zu einer<br \/>\nwachen Ruhe, in der der Gedankenstrom nach und nach schw\u00e4cher flie\u00dft, bis ich<br \/>\nschlie\u00dflich abschalten und entspannen kann.<br \/>\nDie Zeit, die ich mit einer Meditation verbringe, ist nicht nur ein Geschenk an mich<br \/>\nsondern auch Ausdruck meiner pers\u00f6nlichen Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr mich, als<br \/>\neinzigartiges, g\u00f6ttliches Wesen. Je \u00f6fter ich diesen Weg beschreite und diese Form<br \/>\nvon Kontakt zu mir suche, umso leichter und zufriedener werde ich die<br \/>\nHerausforderungen des Alltags meistern k\u00f6nnen.<br \/>\nWir alle haben den Wunsch, uns wohlzuf\u00fchlen und wir tun viel daf\u00fcr, dass unsere<br \/>\nkleine, private Welt so gestaltet wird, dass sie uns dieses Wohlgef\u00fchl bietet. Wir<br \/>\nm\u00f6chten eine sch\u00f6ne, kuschelige Wohnung, am liebsten mit Balkon oder Garten,<br \/>\neine berufliche T\u00e4tigkeit, die uns erf\u00fcllt und Spa\u00df macht, freundliche und liebevolle<br \/>\nBeziehungen zu anderen Menschen, eine finanzielle Basis, die ein interessantes,<br \/>\nund gesichertes Leben erm\u00f6glicht. Und wir w\u00fcnschen uns dauerhaft Frieden,<br \/>\nHarmonie und Freude. Das sind typische und durchaus verst\u00e4ndliche \u00e4u\u00dfere<br \/>\nMerkmale eines Lebens, von dem wir glauben, dass es uns gl\u00fccklich und zufrieden<br \/>\nsein l\u00e4sst.<br \/>\nWenn wir nur einen kleinen Teil dessen, was wir in die \u00e4u\u00dferen Merkmale und<br \/>\nBedingungen unseres Wohlgef\u00fchls investieren, auch f\u00fcr die freundliche Gestaltung<br \/>\nunserer inneren Welt aufbringen w\u00fcrden, dann h\u00e4tten wir tats\u00e4chlich exzellente<br \/>\nVoraussetzungen geschaffen, um h\u00e4ufiger in Frieden, Einklang und Harmonie mit<br \/>\nuns zu sein. Dann w\u00fcrden wir auch gern die sch\u00f6nen R\u00e4ume unseres inneren<br \/>\nDaheims besuchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Hoffentlich bin ich Daheim&#8230;&#8220; Dieser feinsinnige Ausspruch stammt nicht von einem selbstverwirklichten Yogi, sondern von dem gro\u00dfen M\u00fcnchner Kabarettisten, Komiker und Schauspieler Karl Valentin. In seinem klugen Gedanken liegt eine tiefe Weisheit, die uns mit der Frage konfrontiert, ob ich \u00fcberhaupt Freude empfinde, wenn ich mich selbst, mein wahres inneres Wesen besuche und welche Art [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":469,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-466","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=466"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/466\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/469"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ageinbalance.com\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}